Rücktritt von Özil und der Rassismus



"Ich bin Deutscher, wenn wir gewinnen, und ich bin ein Migrant, wenn wir verlieren."
(Mesut Özil, 22. Juli 2018)

Mesut Özil hat soeben seinen Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft bekanntgegeben. Sein letztes Statement endet mit diesen Worten: "Bis heute habe ich mit Stolz und Aufregung das Trikot getragen, nun aber nicht mehr. Hochrangige DFB-Funktionäre haben meine türkischen Wurzeln nichtrespektiert und selbstsüchtig über mich politische Propaganda gemacht. Genug ist genug. Rassismus sollte niemals akzeptiert werden."


Mesut Özil beweist Rückgrat und verteidigt Foto mit Erdogan

Er habe das Foto mit Erdogan "aus Respekt vor dem höchsten Amt in der Heimat meiner Familie geschossen", schreibt Mesut Özil und pfeift damit auf die deutsche Hetzpresse und Nazis. "Ich habe zwei Herzen, das eine ist deutsch, das andere türkisch. Meine Mutter hat mir stets gelehrt, Respekt zu zeigen und nie zu vergessen, wo ich herkomme und das sind nach wie vor Werte, an die ich bis heute denke." 


Beste Entscheidung, lieber Mesut. Rassisten, die seit Wochen gegen dich, deine Familie und im Allgemeinen gegen Türken hetzen, hatten dich sowieso nie verdient. Du hast nichts verloren, aber die andere Seite sehr viel. Von nun an wird sich jeder Türke bzw. Migrantensohn sehr gut überlegen, ob er sich später für die DFB-Elf oder die türkische Nationalmannschaft entscheidet. Karriere ist eben nicht alles! 

Mesut Özil spielt 2020 für die Türkei!

Nein, leider nicht. Hat noch keiner die Lüge in die Welt gesetzt, dass Erdogan Özil zum Rücktritt gedrängt hat, damit die UEFA die EM 2024 an die Türkei vergibt? Selbst das würde die Mehrheit abkaufen, obwohl der Grund seines Rücktritts der medial gefütterte Rassismus ist und die DFB ihn im Regen stehen lassen hat.
Nach seinem Rücktritt überschlagen sich die Kommentare. Die einen zeigen Verständnis, die anderen machen wie gewohnt weiter mit der Hetze. Wer über Rassismuserfahrungen spricht, inszeniert sich also als Opfer, wenn man der BILD glauben mag. Das heißt wiederum: Menschen mit Migrationshintergrund sollen schön die Fresse halten, wenn man von Arbeitskollegen, Kommilitonen und Fremden diskriminiert wird und rassistische Sprüche zu hören bekommt. Nicht mit uns! Özil hat vielen jungen Deutschtürken gezeigt, dass sie sich aktiv gegen Rassismus positionieren müssen trotz des zu erwartenden Shitstorms. Was den Stolz der Rassisten kränkt? Dass nicht die DFB ihn rausgeschmissen hat, sondern er mit einer historisch so schmerzhaften Backpfeife gegen all seine Gegner zurückgetreten ist. Er hat das Kind beim Namen genannt: Rassismus in allen Gesellschaftsschichten.

Wir stehen an deiner Seite, Mesut Özil!

UNT

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