Es sind unsere Moscheen!



Liebe Leser, liebe Geschwister,

wie ihr neuerdings alle mitbekommen haben solltet, konnten wir  in den vergangenen zwei Wochen bundesweit  mehrere Anschläge auf unsere Moscheen verzeichnen. Ursprünglich stammen die Täter  solcher Anschläge aus dem bekannten rechten, extremistischen Lager. Nicht überraschend meldeten sich nun wieder rechte, extremistische Randgruppen aus dem kurdischen Lager, die selbstverständlich nicht repräsentativer Natur sind und nahmen diese Anschläge auf ihr Konto. Sie betrachten es als Vergeltung für die Offensive der Türkischen Streitkräfte in Afrin. Das ist aber nicht unser Thema. Natürlich können wir uns über die passive Haltung der Bundesregierung bzgl. der Angriffe ärgern und stundenlang über die Aussagen des Außenminister diskutieren. Die Debatte ob der Islam denn nun zu Deutschland gehöre, könnte man auch frei von Sinnen weiterführen. Jedoch sollten wir uns auf das Wesentliche konzentrieren. Wir sollten beginnen einen Mehrwert zu schaffen, wir sollten anfangen aufzuwachen. Wenn wir um Trost und Mitleid anderer betteln und uns freuen, wenn sich ein Regierungssprecher mit einigen tröstende und kritischen Äußerungen zur Wort meldet, werden wir weiterhin mit leeren Händen dastehen.

Wir müssen uns der Bedeutung unserer Moscheen im Klaren sein!

Nun stellt euch vor, es ist 1965 und ihr seid die ersten Gastarbeiter in Deutschland. Ihr sprecht weder Deutsch noch könnt ihr euch in irgendeiner Weise verständigen. Ihr wisst nicht einmal, wie ihr euch etwas zu essen besorgen könnt. Was wäre das Erste in diesem fremden Land, um das ihr euch kümmern würdet? Für viele von uns stünde das Errichten der Moscheen sicherlich nicht an erster Stelle. Andere mögen behaupten, es sei daran gelegen, dass die Gastarbeiter einfach gestrickte Menschen gewesen sind, fernab von Bildung und Kultur oder aber auch einfach nur konservative Dorfbewohner aus Anatolien. Das mag sein und das ist auch gut so! Denn heute blicken wir auf tausende Moscheen zurück, deren Existenz wir unseren Großvätern zu danken haben. Tapferen Männern, die sich jeder Herausforderung gestellt haben, nur damit wir die Möglichkeit haben, frei unsere Religion zu lernen und leben zu können. Und wenn man mich fragt, was das Wertvollste ist, was mir mein Großvater hinterlassen hat, ist es die Moschee, an deren Errichtung er maßgeblich beteiligt war. Die Moschee, an der ich den Grundstein meiner islamischen Bildung gelegt habe. Der Ort, an dem ich das respektvolle Zusammenleben mit Älteren und Gleichaltrigen beigebracht bekommen habe. Jegliche Sitten und Werte, die mich zu einem besseren und vollkommeneren Menschen machen sollen, habe ich an dem Ort gelernt, die von einfachen Bauern aus Anatolien errichtet wurden. Einfache Männer mit einem ausgezeichneten Verständnis für das einfache Leben. Sie lehrten uns das Lieben, das Respektieren, einander zu verstehen und das Ganze zu sichten. Einfache Weisheiten aus dem einfachen Anatolien. Sie handelten intuitiv und sorgten für unsere Zukunft! Nun liegt es an uns, dieses Erbe ehrenvoll aufrechtzuerhalten und vor jeglichen Angriffen zu beschützen. Jeder von uns sollte, wenn bisher nicht geschehen, die Moschee in seinem Wohnort zumindest mit einer Mitgliedschaft unterstützen! Sich ehrenamtlich engagieren und so gut es geht, aktiv werden. Die Moschee ist kein reines Gebetshaus. Sie dient zur Versammlung und sollte im Mittelpunkt unserer sozialer Aktivitäten stehen. Wir sollten sie viel öfter besuchen, neben dem Freitagsgebeten einfach mal täglich zu einer Gebetszeit die Moschee aufsuchen.
Genau aus diesem Grund sind wir verpflichtet uns der Bedeutung unserer lokalen Moscheen bewusst zu sein. Diese Orte wurden mühevoll mit viel Hoffnung und Aufopferung errichtet. Wir dürfen nicht zuschauen, während Extremisten versuchen, diese Orte niederzubrennen.
Wir sollten uns mehr mit der Geschichte und den unbekannten Helden dieser Werke beschäftigen und überlegen, was wir besser machen können. Wir müssen unserer eigenen Verantwortung in dieser Aufgabe bewusst sein. Wir sind allesamt der deutschen Sprache mächtig, kennen unsere Rechte und können diese fordern. Wir sind bereit dieser Gesellschaft, der wir viel zu verdanken haben, viel zu geben. So sollte uns klar sein, dass wir mehr tun müssen als nur die errichteten Moscheegemeinden zu verwalten. Bevor wir dies tun, müssen wir uns mit unserer Vergangenheit und der Gesichte der Gastarbeiter auseinandersetzen. Mein Tipp: Fragt eure Eltern oder Großeltern nach deren Erfahrungen und Herausforderungen. Fragt sie nach ihren Absichten und Aufopferungen.
An dieser Stelle möchte ich allen unbekannten Helden danken und den Verstorbenen Allahs Segen wünschen.

Cihad Ebrar

Quelle: 
https://cihadebrar.com/2018/03/27/es-sind-unsere-moscheen/


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