Unabhängigkeit den Muslimen!



Der arabische Frühling, das Stürzen von mächtigen Herrschern und der Beginn des Syrien-Krieges sind meines Erachtens aufeinander folgende Schritte einer präzise ausgeklügelten Strategie. Das Ziel ist eindeutiger denn je, wieder geht es nur um die Vorherrschaft der Zivilisationen in der Levante. Ein historischer Schauplatz für jene aufstrebende Religionen, Herrscher und Kriege. Bis zum ersten Weltkrieg kämpften die Menschen in der Region untereinander um die Macht. Erst mit der Invasion der Entente 1914 mischten sich „ausländische“ unter ihnen und verbreiteten die Saat unserer gegenwärtigen Probleme. Niemand kann behaupten, dass die Ausschreitungen und politisch-religiösen Konflikte nur die Menschen vor Ort betreffen. Es ist und das sollte auch so akzeptiert werden ein globales Problem. In Anbetracht der heutigen Fronten kann sehr genau diagnostiziert werden, dass wir uns im „Clash of Civilizations and Clash of Religions“ befinden. Auf der einen Seite befindet sich das christlich-jüdisch geprägte westliche Abendland, wobei das „jüdisch“ nicht ganz definierbar ist, sondern nur einen historischen Wert inne hat und auf der anderen Seite das christlich-orthodox geprägte östliche verbunden mit der asiatischen Mentalität. Und mittendrin befinden sich das leidtragende islamische Morgenland, die Levante im weiteren Sinne. Nun, als der arabische Frühling herbeieilte sprach man von Demokratie, Freiheit und Modernität. Ganz nach dem Vorbild westlicher Demokratien hat es nicht geklappt. Das Unheil und der Alptraum nimmt kein Ende. Dass es um die Aufteilung der Ressourcen handelt ist bekannt, doch es geht um viel mehr als das. Die Gier der „ausländischen“ Mitstreiter ist unaufhaltsam. So der Blick auf die Konflikte heute in Mossul.


Ein bis dato unbeteiligter, nicht beachtlicher und durchaus überschaubar scheinender Parameter der Region ist die Türkei. Ein kurzer historisch, politischer Rückblick auf die Republik und es entsteht die Erwartung einen westlich orientierten modernen Staat vorzufinden. Ursprünglich war es auch so gedacht. Selbst wenn man nicht oft genug erwähnen kann, dass die Türkische Republik Nachfolgerstaat des Osmanischen Reiches ist. Das Reich der Herrscher über die Levante, des mittleren Osten sowie das Nordafrika, des Maghrep. Also der Orte wo heutige Konflikte und Probleme einen globalen Trend auf sich genommen haben. Die Gründung der Republik sollte die Identität der türkischen Bevölkerung ein für allemal verändern, gar neuschöpfen. Die Verbundenheit zur Region, Religion, Kultur und der gemeinsamen Zivilisation sollte gebrochen werden und man entschied sich das letzte Waggon der europäischen Lokomotive zu werden. Man kreierte eine Türkei, die sich als Europäer verstehen sollte, aber nie als solche behandelt wurden. Die Zugehörigkeit zu westlichen Werten und der Modernität sollte durch Zwang und Verbote alter Traditionen bekräftigt werden. Und wenn die Menschen sich dagegenstellten so wurden sie dazu gezwungen und wenn es sein musste auch mit Gewalt. Militärdiktaturen, politische Verschlossenheit sowie elitäre Abkoppelung andersdenkender waren gängige Mittel um das westliche Weltbild in den Alltag der Menschen einzuführen. Dieses Paradigma ist nun gebrochen. Die Türkei und die Türken befinden sich in einem Wandel, einem Paradigmenwechsel, nicht in einer Rückbesinnung sondern in einer Wiedergeburt. Sie lehnen die Verwestlichung ab und modernisieren die Gesellschaft, das Weltbild sowie den Staat nach eigenen Mustern. Das industrielle Zeitalter unter der Vorherrschaft kolonialisierender Imperialisten ist vorüber. Niemand kann und darf sich aus weiter Ferne ohne jegliche Verbindungen zu den Geschehnissen, zu der Region oder zu den Menschen einmischen und bestimmen wie diese zu leben haben. Genau zum Zeitpunkt dieser Wende übernimmt die Türkei eine wichtige Schlüsselfigur, mit einer überzeugenden Strategie bekämpft sie das große Übel entlang der gegenüberliegenden Seite der eigenen Grenze und befreit einen Ort nach dem anderen. Die große Koalition und die verbündeten Kurdenmilizen haben keineswegs vergleichbare Ergebnisse liefern können. Das alles liegt definitiv daran, dass die Türkei nun eigene, neu aufgesetzte Wertemuster in der Politik sowie innerhalb der Gesellschaft entwickelt hat. Sie ist das Land welches sich nicht destabilisieren lässt. Trotz der langjährigen Versuche können jene Mächte keinen Bürgerkrieg anzetteln, weder auf nationaler noch auf konfessioneller Ebene werden sie es nicht schaffen. Genau diese Richtung schafft eine neue Identität mit selbstbewussten Zielen und dementsprechendem Handeln. Eine Aufteilung der destabilisierten Regionen im nahen und mittleren Osten ohne die Türkei als mittbestimmenden Parameter ist undenkbar. Der Westen muss kapitulieren und dem Vormarsch die eigene Zivilisation aufzuzwingen beenden. Nicht das was der Westen tut und macht, ist das Beste auf diesem Kontinent. Die tatsächliche Freiheit besteht darin unabhängig zu sein. Für Frieden auf der Welt ist Frieden in der Levante unverzichtbar, für Frieden in der Levante ist die Unabhängigkeit der Völker zwingend erforderlich. Somit fordere ich Unabhängigkeit den Muslimen!


von Cihad Ebrar

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