In jener Putschnacht war ich in der Türkei


Der Schock über die Berichterstattung und Reaktion auf den misslungenen Putschversuch durch die Terrororganisation FETÖ in der Türkei sitzt bis heute noch sehr tief. Schließlich haben dabei insgesamt 246, davon 179 Zivilisten, Menschen ihr Leben verloren. Angefangen von Politikern, über Journalisten und Akademikern reagierten westliche „Denker“ so, als ob es keine eingeschleusten Funktionäre der FETÖ in den Staatsapparaten der Republik gäbe, als ob dieser Putschversuch überhaupt nicht stattfand.
In den ersten Stunden jener Nacht verfolgte ich die Medien in Deutschland und konnte erschütternd feststellen, dass dieser Putschversuch, bis dahin noch Putsch, begrüßt wurde. Gleichzeitig befand ich mich in der Türkei und konnte die Reaktion des Volkes hautnah erleben. Selbst als die zivile Bevölkerung sich auf den Plätzen versammelt hatte, diesen Putschversuch mit bloßen Händen verdrängen konnte, sah man in Deutschland weg. Als ob dies nicht genug wäre, fingen die „klugen“ Köpfe aus Europa an Verschwörungstheorien zu entwickeln. Genau zu diesem Zeitpunkt als man behauptet das ganze wäre doch ein Szenario Erdogans, wiedersprach sich die meinungsbildende Minderheit in ihren Grundzügen und legte eine bisher nicht vorhandene Doppelmoral an den Tag. Wobei man doch alle anderen Völker und Menschen der Welt auf Grund der Affinität zu Verschwörungstheorien herabwürdigend belächelt. Das traurige jedoch ist, sie glauben an den erfundenen, suboptimalen Unsinn.
So wie ich auf der Straße stand, standen viele tausende überall in der Türkei und insbesondere gegenüber den Panzern in Istanbul und Ankara. Sie standen nicht nur gegenüber sondern wehrten sich, verschlossen Wege, marschierten ohne Angst und Furcht auf sie los. Dabei riefen sie Allahu-Akbar. Ja, genau sie riefen Allahu-Akbar. Das Volk in der Türkei besteht aus über 99 % Muslimen. Ob mehr oder wenig praktizierend ruft ein Muslim Allahu-Akbar, um zum Ausdruck zu bringen, dass Gott größer ist. Ja größer als die Panzer, größer als das Militär, größer als die Waffen. Nur so kann er seine Ängste unterdrücken und sich gegen die Macht stellen. Es ist aber eine Unverschämtheit das türkische Volk mit den Barbaren der DAESH gleichzusetzen. Denkt man allen Ernstes, dass die muslimische Bevölkerung allein aus Saudi Arabien und dem Irak besteht? Dass nur DAESH-Milizen den Takbir ausrufen dürfen. Wie bereits erwähnt haben sich diese Menschen aufgeopfert. Ist ja selbstverständlich, dass sie dabei Allahu-Akbar rufen, was hätten sie denn machen sollen? Yoga?
Es ist derweil kein Geheimnis, dass die ernst genommenen Vertreter der Weltpolitik nur aus nichtmuslimischen Staaten stammen. Jeder Politiker oder Vertreter aus muslimischen Staaten wird diffamiert und im besten Fall als Wahnsinniger oder Despot dargestellt. Die muslimische Identität des türkischen Volkes ist ein Grund, weshalb die Türkei kein bedeutender politischer Akteur der Weltpolitik sein darf. So zumindest wird versucht Stimmung dagegen zu machen. Die Tatsache, dass das türkische Volk sich zur Bewahrung der eigenen Existenz, der Demokratie und der damit verbundenen Rechte aufgeopfert hat, wird völlig außer Acht gelassen. Diese Haltung ist definitiv Islamophob!
Weit und Breit ist nichts anderes zu beobachten als eine dreckige Kampagne der Desinformation. Die öffentliche Meinung wird zielgerecht beeinflusst und in die Richtung des Hasses gelenkt. Der Frontrunner in diesem Fall ist New York Times. Die Wähler und Anhänger Erdogans werden herabwürdigend als Feinde der Demokratie bezeichnet und dargestellt. Man möchte das Bild von radikalen Islamisten erzeugen. Aber eben diese Gefolgschaft aus allen Teilen der Gesellschaft ob mit Kopftuch oder ohne. Ob mit Bart oder ohne, standen für die Demokratie. Das gegenwärtige Problem allerdings ist, diese transatlantischen Gauner finden das türkische Volk, welches einem Mosaik ähnelt, nicht gut genug für die Demokratie. Selbstverständlich werden Bilder dieses Mosaiks nicht gezeigt. Das ganze Verhalten der Medien und Politiker zeigt einen regelrechten Hass auf Muslime, auf Türken und jedem Menschen der nicht der Wunschvorstellung des überheblichen Westens passt. Grundrechte wie die Demonstrationsfreiheit und das Recht zur Meinungsäußerung möchte man verbieten. Am Sonntag soll eine Demo zur Solidarität mit der Türkei stattfinden. Die Empörung ist groß. Die innenpolitischen Themen sollen nicht nach Deutschland gebracht werden, heißt es.
Das Ende der Demokratie, das Ende der Gleichberechtigung, das Ende der Toleranz. Armes Deutschland. Du schaffst dich wirklich ab!


Cihad Ebrar

Beliebte Posts aus diesem Blog

Gastbeitrag: Musul ve Kerkük'ü kim satti?

Türkei: Abstimmung über Verfassungsreform

11.000 Folteropfer in Syrien!