War die Entnazifizierung erfolgreich?



Die deutsche Anglistin und Afrikawissenschaftlerin Susan Arndt schreibt im 2011 veröffentlichten Buch 'Wie Rassismus aus Wörtern spricht: Kerben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk':

"Bei Rassismus handelt es sich, wie ich zusammenfassen möchte, um eine europäische Denktradition und Ideologie, die 'Rassen' erfand, um die weiße 'Rasse' mitsamt des Christentums als vermeintlich naturgegebene Norm zu positionieren, eigene Ansprüche auf Herrschaft, Macht, und Privilegien zu legitimieren und sie zu sichern. Diese historisch gewachsene und im Laufe der Jahrhunderte ausdifferenzierte Ideologie produzierte und produziert rassistisches Wissen, hat sich ebenso facettenreich wie wirkmächtig in Glaubensgrundsätze, (Sprech)Handlungen und identitäre Muster eingeschrieben und sich - unabhängig davon, ob Weiße dies anerkennen oder nicht - die Welt passfähig geformt.
Vielmehr ist das Nicht-Wahrnehmen von Rassismus ein aktiver Prozess des Verleugnens, der durch das weiße Privileg sich nicht mit (dem eigenen und/oder kollektiven) Rassismus auseinanderzusetzen zu müssen, gleichermaßen ermöglicht und abgesichert wird."

Die Worte und Taten der Täter, die Unterstützung der Tat und das Schweigen darüber bestätigen, dass sich in den 70 Jahren nach Ende des Zweiten Weltkrieges fast nichts geändert hat. Manche stehen offen zu ihrer NS-Ideologie, manche wiederum verheimlichen es. Der latente Rassismus lebt leider immer noch.

Das Gedicht von Böhmermann hat uns verletzt, aber vielmehr die breite Unterstützung in der Gesellschaft.
Die Übergriffe auf Flüchtlingsheime hat die Flüchtlinge und alle Migranten verletzt, aber vielmehr der Versuch der Rassisten, diese Taten rechtzufertigen.



Turgay Adalet - 16.04.2016

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