Der Westen im Genozid-Sumpf


Mein Beitrag vom 16.04.2015:
Wenn Journalisten und Hobby-Historiker die Deportation der Armenier mit dem Holocaust vergleichen, muss ich folgende Fragen stellen, auch wenn ich mich nicht als einen Experten bezeichne, haben wir im Studium so einiges über Geschichtsverfälschung mit Fotos und Dokumenten gelernt.

Die Unwissenheit der breiten Masse über dieses heikle Thema können die Medien und die armenische Diaspora gut ausnutzen.
Mit Lügen kann man die Lücken in ihrem Geschichts(un)wissen füllen und diese Menschen mit einer Brise Fotos, die aus dem Kontext gerissen wurden, affektiv entsetzen und schließlich überzeugen. Da bleibt nicht viel Raum für das kognitive Denken und das ist auch so erwünscht.
Einige historische Museen begehen diesen Fehler oder es werden bewusst mehrheitlich solcher Bilder benutzt. Dürfen die Besucher nicht hinterfragen? 
Die Empathie gebürt natürlich den Opfern, aber was ist, wenn unter den Opfern Kollaborateure waren?

An dieser Stelle möchte ich aus einem Buch zitieren:
"Das Bild scheint mittlerweile für die Historiker eine wesentliche Rolle zu spielen: zunächst weil es sich, seitdem die Pflicht zur Erinnerung zum Imperativ geworden ist, aufgrund seines affektiven Gewichts nicht mehr umgehen lässt, aber auch weil es nunmehr, trotz eines alten Argwohns gegenüber seinen Manipulationen und der berechtigten Skepsis gegenüber den Darstellungen, die es transportiert, den Status eines Dokuments erlangt hat, das für das Verständnis der Ereignisse und Realitäten der Geschichte notwendig ist. Gleichzeitig und unter dem Vorwand, geschichtliches Wissen zu verbreiten, maßt sich das Fernsehen, das sich zunehmend für ein gesellschaftliches Uhrwerk hält, die Aufgabe an, möglichst viele Archivbilder an eine möglichst breite Öffentlichkeit zu bringen. Doch um welche Bilder handelt es sich und wie werden sie präsentiert und benutzt? In welchem Maße entspricht ihre Präsentation den Belangen der Geschichtsschreibung?"
(Michéle Lagny - Historischer Film und Geschichtsdarstellung im Fernsehen. In: Hohenberger, Eva; Keilbach, Judith: Die Gegenwart der Vergangenheit - Dokumentarfilm, Fernsehen und Geschichte. Verlag Vorwerk 8, Berlin 2003, S. 115)
Nun zu den Kernfragen, wenn schon manche den Holocaust mit den Ereignissen von 1915 vergleichen:
Haben die Muslime die Armenier wie die Christen die Juden jahrhundertelang verfolgt und ermordet?
Haben die Türken im Vorfeld der Ereignisse Propaganda gegen die Armenier betrieben, um den Hass in der Gesellschaft aufrechtzuerhalten?
Haben die Juden wie die armenischen Separatisten mit den Alliierten kollaboriert, Landesverrat begangen und deutsche Zivilisten ermordet? Nein, doch die armenischen Separatisten ja!
Hat das Osmanische Reich Konzentrationslager o.ä. errichtet, um eine gezielte Ausrottung der Armenier voranzutreiben? Nein!

Anknüpfend an diese Frage:
Haben die Türken wie Hitlers willige Vollstrecker bewusst Kinder und Säuglinge gegen die Wand geschmissen und sie liegen lassen? Nein, von 10.270 armenischen Waisenkindern wurden 3500 türkischen Familien anvertraut und 6770 in Waisenheime untergebracht. Also als Massenmörder würde man doch auch die Kinder ermorden, damit sie sich nicht rächen können.
Nicht die Türken sitzen im Sumpf des Genozids, sondern der Westen, dessen Schatten mit Blut getränkt ist und jede weiße Weste beschmieren möchte.
 Die meisten westlichen Staaten haben Genozide begangen, aber nicht die Türkei bzw. das Osmanische Reich.An das Leid der Opfer wird nicht gedacht, denn sie möchten nur die Türkei in ihren Genozid-Sumpf ziehen. Es geht also nicht um die historische Erinnerung, sondern um politisches Kalkül.


Turgay Adalet - 24.04.2016

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