Opfer des Terroranschlags in Ankara


Nach jedem Terroranschlag kostet es Kraft und Tränen, aber ich muss meine Gedanken und Gefühle, die auch eure sind, teilen:

Heute regnet es in Strömen in Ankara. Der Himmel weint, selbst der Himmel verrichtet seine Aufgabe für die Menschen, die bei diesem feigen Terroranschlag ihr Leben verloren haben. Der Regen verwischt zwar das Blut auf den Straßen, aber die Trauer wird auch nach jahrelangem Regen frisch bleiben. Destina Peri Parlak, das junge Mädchen auf dem Foto mit dem rot-weißen Streifenpullover, wurde nur 16 Jahre alt. 11 Jahre jünger als ich, sie hätte meine Schwester sein können.
Und was machst du, was mache ich, was machen wir? Während diese ehrenlosen Terroristen unsere lachenden Gesichter, Augen, unsere glänzende Jugend, unsere Hoffnungen, Träume und unser dank unserer Märtyrer gewonnenes Land angreifen, was machen die Verantwortlichen?
Was machst du, einfacher Bürger, der seine Stimme nicht erheben kann? Wie steht es mit deinem Gewissen? Muss die Bombe in deinem Haus oder deinem Herzen explodieren, damit du sehen, hören und fühlen kannst?
Warum diese aggressive und mit Hass erfüllte Zunge, die die Hinterbliebenen noch mehr verletzt? Warum diese Einstellung „möge die Schlange, die mich nicht beißt, tausend Jahre leben“?
Ich bin mir sicher, dass du auch ein guter Mensch bist, dein Land liebst und dich nicht mit Blut ernährst. Warum gehst du dann nicht mit uns Hand in Hand und zeigst somit, dass du auch existierst, nicht nur für dich, sondern auch für Menschen, die du nicht kennst. Zeig denen, die unsere Menschen töten/verletzen und unser Land vernichten möchten, deinen Mut. Was schrieb Nazim Hikmet? Wenn du nicht brennst, wenn ich nicht brenne, wenn wir nicht brennen, wer wird dann die Welt erleuchten?
Der Terror trifft das Zentrum der Hauptstadt, deines Herzens, deiner Seele und macht sich lustig über uns. Nicht nur der Platz, es brennen gleichzeitig hunderte Häuser, Familien, Herzen. Und wir, die Überlebenden, sterben noch einmal mehr, jeden Tag.

Wir dürfen nicht zu einer Gesellschaft transformiert werden, die solche Anschläge nur verflucht und sich an die Massenmorde gewöhnt.
Was sollen wir noch machen, damit die „Tauben“ unsere Stimmen erhören? Sich aus Wut an Wörter zu klammern, die unsere Feinde benutzen, macht uns nicht besser, auch wenn sie uns für einen Moment erleichtern. Wir sprechen nicht ihre Sprache des Todes!

Wir dürfen trotz des Terrors, das an unserem Nacken klebt, nicht die Hoffnung verlieren. Lasst sie im Glauben versinken, dass der Tod das Ende für uns sei.
Wir werden uns einreden, dass wir nicht mehr so sein werden wie früher, aber um den Terror auf psychischer Ebene besiegen zu können, müssen wir uns stärker fühlen und uns gegenseitig stärken.
Natürlich müssen wir uns um unsere Kinder, Soldaten, Geliebten und um uns selber sorgen. Halte meine Hand fest, auch wenn du die Welt aus einer anderen Perspektive betrachtest. Sei mein Freund, Bruder, meine Schwester.
Diesmal hat uns der Terror verschont, aber wissen wir, was uns morgen erwartet? Den Verfasser (mich), den Leser (dich)?

Turgay Adalet - 14.03.2016

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