Türkei - Mossul - Irak



Die Frage, warum sich die Türkei in Syrien befindet, wurde unter anderem durch die Ereignisse in Kobane und in den Turkmenen-Bergen beantwortet.
So wie sich die USA, Russland, der Iran, Frankreich und England sowohl zur IS-Bekämpfung als auch aus geopolitischen Interessen in Syrien befinden, kann die Türkei nicht teilnahmslos dastehen und unterstützt deshalb die Turkmenen.

Da die Regierung von Bagdad unter dem Einfluss des Iran steht und die Türkei die Zukunft Syriens ohne Assad sieht, sind Konflikte zwischen Ankara und Bagdad vorprogrammiert.
Trotzdem hat die Türkei ihre Beziehungen zu Barzani aufrechterhalten. Sowohl im Energie- und Wirtschaftssektor als auch im Kobane-Konflikt war und ist eine Kooperation unabdingbar. Diese Zusammenarbeit ist schon lange in der Kritik seitens der irakischen Regierung und der oppositionellen Flügel im Norden.
Nachdem die Türkei in Absprache mit der kurdischen Autonomieregion 600 Soldaten einschließlich Panzer nach Mossul Basika entsendete, nahm Bagdad eine aggressive Haltung ein. Sofern die Regierung in Ankara ihre Soldaten nicht zurückrufe, wollte die irakische Regierung binnen 48 Stunden diesen Fall bis zum UN-Sicherheitsrat tragen und drohte mit der „Anwendung mehrerer Optionen“. 

Diese Überreaktionen erwecken den Eindruck, als ob die Türkei wie Amerika in einer Nacht irakischen Boden gestürmt und besetzt hätte.
Eine Tragödie für die Regierung in Bagdad, dass sie sich nicht über die Existenz von Iran, Deutschland, USA und England in Mossul und Kirkuk empört, aber sich heute auf einmal gegen türkische Soldaten positioniert, zeigt uns den Einfluss Russlands und Irans auf die irakische Politik.

Nach diesem politischen Aufstand wurde die Frage gestellt, ob die Türkei wie in Syrien in den Krieg gezogen werde. Doch nach drei Tagen bekommen wir eine klare Übersicht, wenn man sich die offizielle Darlegung der Ereignisse in Mossul anschaut.

Fakten:
1. Es darf nicht vergessen werden, dass die Türkei seit dem Ersten Golfkrieg in der Region Bamerne (zwischen Uludere und Cukurca), nahe der türkisch-irakischen Grenze, eine militärische Beobachtungseinheit stationiert hat.

2. Das Basika-Camp ist kein Operationsstützpunkt, sondern ein Ausbildungscamp, das mit Zustimmung der kurdischen Autonomieregion und der irakischen Regierung besteht. Die Verstärkungstruppen bestehen nicht aus Spezialeinheiten, sondern aus Einheiten, die für den Schutz des Ausbildungslagers zuständig sind. 

3. Dieses Ausbildungscamp ist außerdem nicht das einzige von türkischen Einheiten geleitete Camp. Nahe der Provinzstadt Diana wird auch die Peschmerga ausgebildet. In einem Jahr wurden über 1000 Peschmerga-Kämpfer ausgebildet, die am 12. November maßgeblich dazu beigetragen haben, Sindschar von der Terrormiliz IS zu befreien. 

4. Usel Nuceyfi, Gouverneur von Mossul, hatte der Türkei die Errichtung des Basika-Camps angeboten, um die Stadt von der Terrormiliz zu befreien, die am 11. Juni 2014 die irakischen Soldaten (70.000) vertrieben hatten. Damals wurden auch der türkische Generalkonsul mit 49 türkischen Staatsbürgern in Geiselhaft genommen und am 20. September 2014 dank der Zusammenarbeit zwischen dem türkischen Geheimdienst MIT und arabisch-sunnitischen Stämmen befreit. 

5. Während des Besuchs des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu am 20. Dezember 2014 in Bagdad wurde das Ausbildungslager mit dem irakischen Regierungschef Haider al-Abadi besprochen und im März 2015 begannen die ersten Ausbildungseinheiten.
 
6. Eigentlich sollte die Verstärkung der vorhandenen Truppen am 10. Dezember nach dem Treffen mit dem irakischen Verteidigungsminister Ubeydi in Gang gesetzt werden, doch der Abschuss des russischen Kampfjets hat die Regierung in Ankara in Alarmbereitschaft versetzt. 

7. Nur drei Tage nach dem Abschuss flog der irakische Verteidigungsminister in das Basika-Camp und verkündete die Botschaft, dass die Befreiung Mossuls bald beginnen werde. Am 05. Dezember hat der türkische Verteidigungsminister Ismet Yilmaz seinem irakischen Amtskollegen mitgeteilt, dass die Verstärkung der türkischen Truppen nur für Verteidigungszwecke diene.

8. Sefin Dizayi, Regierungssprecher der kurdischen Autonomieregion, hatte auf Twitter geschrieben, dass die Türkei sowohl die Peschmerga als auch einige irakische Sicherheitskräfte ausbildet.

Am Anfang hatte ich erwähnt, dass die irakische Regierung stark unter dem Einfluss Irans steht. Der Iran möchte im Kampf gegen den IS die aus schiitischen Arabern bestehende Hasti Saabi einsetzen, während sie auf die sunnitische Hasti Vatani setzen. Außerdem möchten sie wahrscheinlich mit dem erhobenen Zeigefinger die Reaktionen auf die Annäherung zwischen Bagdad und Ankara verhindern. 

Turgay Adalet – 08.12.2015

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