Neues Kapitel zwischen Türkei und Israel?



Der türkische Staatspräsident Erdogan erklärte, bislang seien drei Hindernisse einer Annäherung im Wege gestanden. Eines davon, eine Entschuldigung Israels für die Erstürmung der Hilfsflotte Mavi Marmara, sei inzwischen beseitigt. Eine Entschädigung der Opfer durch Israel stehe jedoch aus. 
Außerdem müsse Israel die Blockade des Gazastreifens aufheben. Genau dieser Punkt ist ein großes Hindernis für die israelische Seite. 

Das vorläufige Abkommen wurde noch nicht unterschrieben und die Kriegsverbrechen Israels nicht vergessen.
Wenn der türkische Staatspräsident Erdogan und die Regierung an ihrer Forderung, Aufhebung der Blockade des Gazastreifens, festhalten und Israel sich in Zukunft daran hält, könnte man über weitere Schritte nachdenken.
Auch vor der Krise hat Israel die palästinensische Zivilbevölkerung bombardiert und ihre Grundbedürfnisse stark eingeschränkt. 2008 starben bei israelischen Luftangriffen in 22 Tagen 1700 Palästinenser. Trotzdem wurden die diplomatischen Beziehungen nicht abgebrochen. Den eigentlichen Grund der Krise haben die Regierungskritiker anscheinend vergessen. 

Die kritische Frage, wie man mit Kriegsverbrechern verhandeln könne, wird jetzt schon in den Raum geworfen.
Vor allem von PKK-Anhängern und den üblichen Feinden der Türkei. Aber gerade sie ignorieren die Tatsache, dass die YPG und PKK Waffen von Ländern bekommen, die damals Chemikalien für die Herstellung von Giftgas an Saddam Hussein geschickt hatten.
Giftgasangriff auf Halabdscha; Über 50 Prozent der Ausrüstung für die Giftgasproduktion war aus Deutschland geliefert worden.
Schon vergessen? Jetzt sind sie ihre verlässlichen Waffenlieferanten und Partner zugleich.

Manchmal frage ich mich, warum der israelisch-palästinensische Konflikt auf den Schultern der Türkei ausgetragen wird. Was unternehmen die arabischen Staaten gegen die Ungerechtigkeiten Israels? Die Türkei hat trotz der Zusammenarbeit mit Israel die Palästinenser unterstützt.
Wenn man die wirtschaftliche und politische Kooperation mit anderen Staaten beendet, die auch Muslime ermordet haben und ermorden, wen hätte dann die Türkei auf ihrer Seite? Man muss pragmatische Lösungen suchen, Kompromisse eingehen und keine emotionalen Entscheidungen treffen, aber auch nicht die Vergangenheit vergessen.
Das ist nun mal Realpolitik, obwohl Israel die Menschenrechte der Palästinenser mit Füßen tritt. Sollen sich alle verfeindeten Staaten die Köpfe einschlagen oder was erwarten die Laien? Welcher unserer Verbündeten trägt eine weiße Weste?

„Erdogan hat mit antisemitischem Ton Israel kritisiert und jetzt auf einmal steht eine Versöhnung an“, so die eintönige Meinung seiner Kritiker. Man ist ja ein Antisemit, wenn man die israelische Kriegspolitik verurteilt. Judenfeindlichkeit liegt nicht in der Tradition und Kultur der osmanischen Enkel. Die Türkei war schon immer Exil für verfolgte Juden.
So viel dazu. 
"Für Geld und Gas hat die türkische Regierung die Opfer und Palästinenser verkauft", sagen die Regierungskritiker und die chronischen Staatsfeinde, obwohl gerade sie bei dem Konflikt zwischen Israel und Türkei ihr eigenes Land beschuldigt hatten. Es liegt zwar kein Verrat vor, aber dieses kleingeistige Denken ist schon älter als der Staat Israel.

Punkt 4 des vorläufigen Abkommens ist inakzeptabel. Die für den Tod der Passagiere auf der Hilfsflotte verantwortlichen israelischen Soldaten und Offiziere gehören bestraft. Entschädigungszahlungen; Wie hoch ist der Preis für ein Menschenleben? 

Was spricht dagegen, wenn sich die Situation der Palästinenser nach einem möglichen Kompromiss verbessern sollte und die Türkei Druck auf Israel ausüben könnte, auch wenn der Grund der Krise nicht die Situation der Palästinenser war?
Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu hat heute die Wiederaufnahme der Gespräche zwischen beiden Ländern bestätigt und erwähnt, dass sie sich bis jetzt in einem Punkt geeinigt hätten und über zwei weitere Punkte noch austauschen, aber noch keine konkreten Schritte getan wurden.

Was denkt ihr über diese Annäherung?

Turgay Adalet - 18.12.2015

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