Fremdprojektion hauseigener Inhumanität



Interessant wie PRO ASYL derzeit mit Vermutungen gegen die Türkei wettert und versucht sie in die Ecke der Menschenrechtsverletzer und Unmoralisten zu drücken. Es stimmt wohl, dass die Türkei gerade die Überfahrt von Hunderten Flüchtlingen mit unsicheren Booten von der türkischen zur griechischen Küste verhinderte und damit schließlich Hunderte von Menschenleben rettete. Täglich sind Hunderte türkische Rettungskräfte nur aus diesem Grunde im Einsatz und ziehen Kinder, Frauen und Männer, deren Boote gesunken sind oder zum Beispiel von griechischen Militärs abgeschossen/abgestochen wurden, aus dem Meer. An den Grenzübergängen werden die Flüchtlinge bei ihrer Einreise kontrolliert, registriert und dann in die unterschiedlichen Flüchtlingscamps verwiesen. Jene Flüchtlinge, die nicht in den Camps bleiben wollen, können sich frei im Land bewegen. Nicht wenige der wohlhabenderen Flüchtlinge gründen Firmen, in denen sie sowohl türkische als auch syrische Arbeiter beschäftigen, leben die ärmeren oder durchreisenden Flüchtlinge, die nicht in den Camps bleiben wollen, z.T. in Privatenunterkünften oder auch in selbstgebauten Barracken oder leer stehenden Häusern, d.h. auf der Straße, und werden dort von NGO's und Bürgern der aus der Nachbarschaft versorgt und betreut. 

Dennoch, trotz der großen Zahl an Flüchtlingen und des andauernden Flüchtlingsstroms, werden die Unterkünfte der Flüchtlinge nicht in Brand gesteckt, werden die Flüchtlinge nicht fremdenfeindlich von rassistischen Gruppen verfolgt und zusammengeschlagen oder gar getötet. Trotz politischer und militärischer Provokationen und terroristischer Anschläge aus dem Aus- und Inland, bewahrt die Bevölkerung der Türkei seit Jahren ihre Gastfreundschaft und Gelassenheit gegenüber den mittlerweile über 2,5 Mio. geflüchteten und vertriebenen Menschen, die sie in ihrem Land beherbergen. Die 26 Länder der EU haben noch nicht einmal ein Zehntel dieser Dimension zu tragen und schon droht ihre von vornherein nicht aufrichtige innere Verbundenheit auseinanderzubrechen. Wie sonst lässt sich die umgehende fordernde Bereitschaft der Länder erklären, das Schengen-Abkommen als Kennzeichen der besonderen Reise-/Bewegungsfreiheit der Europäer, aufzuheben und die Grenzen dicht zumachen. 

Die wenig lösungsorientierte, sondern eher vorwurfswolle Grundstimmung innerhalb der in europäischen Parlamenten und anderen Plattformen geführten Debatten, verhärten diesen Eindruck, dass die Forderungen nach Grenzziehungen nicht in erster Linie das Bedürfnis sich aufgrund geringer Aufnahmekapazitäten vor Flüchtlingsströmen schützen zu müssen, zum Ausdruck bringen, sondern vielmehr aus einem von gegenseitigem Misstrauen in seinen Grundwerten zerrütteten Verhältnis der Länder zueinander resultieren. Und zwar ein so starkes Misstrauen, das die Länder dazu bewegt, sich mit allen Mitteln zu bemühen, die in dieser Krise steckende Gelegenheit zur Trennung und zur Abwehr von Fremdbestimmung  zu schützen, auch zu nutzen. Räumliche Abgrenzung als erste Schritt zum Wiedergewinn von Staatskontrolle.

In den letzten Monaten konnte die Welt verfolgen, wie in Not geratene Menschen, Frauen und Kinder an den Außengrenzen sogenannter entwickelter, demokratischer europäischer Staaten zusammengeknüppelt wurden und nachdem sie schließlich durchgelassen wurden, wie Tiere in Käfige oder andere kalte, enge Räume eingesprerrt wurden. Ebenso sahen wir Bilder von Körpern von Menschen, die auf der Flucht gestorben sind, an Kälte, Krankheit, Hunger, Schwäche. Wie ihre Körper in Kühlhäusern wochenlang übereinander gestapelt wurden - ohne Würde oder ohne Bedauern. 

Nun zeigt sich, dass hauseigene Menschenrechtler (s. Pro Asyl), die sich bisher zu all den erbrachten Flüchtlingshilfen der Türkei nicht ebenso lautstark zu äußern bzw. diese anzumerken wussten, sich dem Massmedia-Chor anschließen und der Türkei nun diese im eigenen hause praktizierte Unmoral und Inhumanität versuchen anzudichten. 
Tatsächlich haben sich sowohl die türkeistämmigen Bürger in Europa, als auch die Bevölkerungsmehrheit der Türkei bereits an derartig haltlose mediale Unterstellungen gewöhnt. Da die treibenden medienstrategischen Ziele und Geld-/auftraggeber dieser Medienorgane allgemein bekannt sind, ist kaum jemand mehr verwundert. Schon lange werden Verleumdungen durch Westmedien als Zeichen einer defizitären Wahrnehmung und als erbärmlicher Versuch interpretiert, die für sie beschämende Faktenlage für die eigene Geschichtsschreibung zu kaschieren. So wird dann auch verschwiegen bzw. nicht darüber informiert, dass der Ministerpräsident Davutoglu erst vorgestern wieder im Parlament erklärt hat, dass die Türkei auch zukünftig keine Flüchtlinge abweisen werde. 
Wobei es in diesem Zusammenhang und vor dem Hintergrund der 900km langen türkischen Grenze zu Syrien und dem Irak (beides Gebiete von denen die Türkei terroristisch bedroht wird!) nicht unwichtig ist, die Notwendigkeit zu betonen, dass die Flüchtlinge zur Einreise unbedingt die legalen türkischen Grenzeingänge nutzen und nicht dem Druck der Schlepper folgend, durch illegale Grenzübertritte die Grenzsicherungen der Türkei a) beschädigen und b) dadurch auch die Grenzsicherheit bzw. innere Sicherheit der Türkei weiter gefährden. 

Um es noch einmal klarzustellen: 
Eine finanzielle Beteiligung der EU für die humanitäre Versorgung der Flüchtlinge in der Türkei ist seit Jahren überfällig. Die Türkei stämmt die Versorgung seit Jahren ohne zu jammern aus ihrem eigenen Staatsbudget.
Wenn nun ProAsyl im Chor mit anderen europäischen, d.h. wohlgemerkt hauseigenen Organisationen, unter Heranziehung von Vermutungen in arroganter wie ignoranter Weise unterstellt, dass die Türkei sich durch eine EU-Zahlung zu einem unmoralischen und menschenverachtenden Umgang gegenüber flüchtenden Menschen instrumentalisieren lassen werde, dann zeugt das meines Erachtens von einer ausgeprägten Fremdprojektion der im eigenen Hause erlernten/verinnerlichten unmoralischen Denk- und Handlungsweisen. 

Wenn hier etwas unmoralisch ist, dann doch wohl die von der EU geäußerte Absicht, die hinter ihrem 3-Milliarden-Angebot steht. 

Abschließend lässt sich feststellen, dass noch in keiner Weise in Erwägung gezogen zu fragen oder zu diskutieren, welche Investitionspläne die Türkei mit dem Geld verfolgt. Und das sollte doch in erster Linie einmal sachlich diskutiert werden. Denn wer wirklich gewillt ist nachzuvollziehen, was sich hinter der Denk- und Handlungweise der Türkei, die sich ihrerseits nie gescheut hat, die Unmoral der EU-Länder in ihrer Flüchtlingspolitik scharf zu kritisieren und sie aufzufordern, die Konsequenzen ihrer jahrelang betriebenen Geopolitik in den Krisenregionen, aus denen die Menschen fliehen, zu tragen, der sollte auch die Möglichkeit in Erwägung ziehen können, dass die angebotenen 3 Milliarden Euro der EU von der Türkei in die Verbesserung der Lebenssituation der in ihren Grenzen lebenden Flüchtlinge oder zum Aubau der Infrastruktur, in der von ihr seit Jahren geforderten Sicherheitszone, in welche die Flüchtlinge langfristig zurückgesiedelt werden sollen, angelegt werden. Schon jetzt unterstützt die türkische Regierung, vor dem Hintergund der Rückkehr der Menschen in ihre Heimat und des Wiederaufbaus Syriens durch die eigene, d.h. syrische Bevölkerung, die Ausbildung syrischer Kinder und Jugendlicher in ihrer Heimatsprache, ermöglicht die Beschulung gemäß der eigenen Schulsysteme und durch Lehrkräfte, die ebenfalls geflüchtet sind. Auch fördert die türkische Regierung die Hochschulbestrebungen der syrischen Jugend, welche die Schwerpunkte innerhalb ihrer Studiengänge im Hinblick auf ihren späteren Einsatz bzw. nutzbringende Tätigkeit beim Wiederaufbau der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen in ihrer Heimat setzen. Nichts davon wurde erstaunlicher Weise bisher von ProAsyl, Human Rights Watch oder anderen Organisationen im Zusammenhang mit den Hilfleistungen und politischen Verhanldlungen der Türkei hinsichtlich der Flüchtlingströme und -schicksale thematisiert.


NetMesele, 04.12.2015

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