Türkische Flüchtlingspolitik verantwortlich für Flüchtlingsstrom?


Die deutschen Medien haben den Schuldigen für den Flüchtlingsstrom nach Europa gefunden. Ganz klar:

Die Türkei! Der türkische Präsident Erdogan und der amtierende Regierungschef Davutoglu, die nicht mit Assad in Kontakt treten möchten. Und die türkische Flüchtlingspolitik!

In den vergangenen Tagen kann man nur noch solche Artikel lesen, obwohl die ganze Welt weiß, wie überfordert die Türkei ist.
Die türkische Flüchtlingspolitik, speziell die Integration, funktioniert nicht einwandfrei, aber möchte man mit solchen Berichten den Flüchtlingsstrom nach Europa der Türkei anlasten?

Mittlerweile leben 2.225.147 Syrer in der Türkei, wie im heutigen Bericht des stellvertretenden Ministerpräsidenten Numan Kurtulmus veröffentlicht wurde. Seit 2011 hat der türkische Staat 7,6 Mrd. Dollar ausgegeben - 418 Mio. davon aus Hilfsorganisationen und befreundeten Staaten.

Die von der Türkei im Norden Syriens geforderte Sicherheitszone wird und muss in den nächsten Wochen auch von den europäischen Politikern in Erwägung gezogen werden.
Vielleicht muss es auch zu einem Dialog mit dem syrischen Machthaber Assad kommen, weil der bewaffnete Konflikt kein Ende nehmen wird. Bei diesem Thema scheiden sich die Geister, aber was bringen denn die syrischen Rebellen?
Wir sind doch alle der festen Überzeugung, dass in so einem Konflikt, wo viele Akteure eine Rolle spielen, keinen Unschuldigen geben kann.
Die Zivilisten leiden darunter!
Sie müssen ihr Land verlassen!
Sie sterben im Mittelmeer!
Sie müssen ein Leben ohne große Perspektive in Europa und in der Türkei führen.

Einen Dialog mit Assad werden viele Muslime nicht begrüßen, aber was erwarten sie dann? Konkrete Vorschläge hört man auch nicht. Wenn er gestürzt wird, was dann?
Versteht mich bitte nicht falsch. Es geht mir nicht darum, ihn zu verharmlosen, aber irgendwann wird es dazu kommen, dass man sich mit ihm an einen Tisch setzen muss.
Dieser Konflikt in Syrien kann so nicht weitergehen.

Was die Abwanderung der Flüchtlinge aus der Türkei nach Europa betrifft:
Die Annahme vieler Flüchtlinge ist schon vornherein, dass Europa eine bessere Zukunft bietet. Ob die Türkei in einigen Punkten versagt, kann den Flüchtlingsstrom nicht maßgeblich beeinflussen. Deshalb kann ich den Inhalt dieser Artikel nicht ernst nehmen, vor allem von Deniz Yücel, der aus der Flüchtlingskrise eine Religionsangelegenheit macht.

"Muslime behandeln muslimische Flüchtlinge schlechter als Christen Muslime behandeln." Was für ein Unfug, nur weil einige wenige Menschen ihre Menschlichkeit verlieren, wenn es um Syrer geht.

Turgay Adalet - 18.09.2015

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