Was passiert eigentlich in Tall Abyad?


Was passiert eigentlich in Tall Abyad (Tel Abyad)?

Jeder, der die Lage und die seit Jahren andauernden Gefechte in Syrien "lesen" kann, kennt das "Endziel" der Terrororganisationen.
Die Interessen der Ölkonzerne und Terrorbanden gehen nicht auseinander.

Zur Wiederholung habe ich die aktuelle Situation zusammengefasst:

Welche geopolitische Bedeutung hat dieser Ort?
Warum flüchten die Araber und Turkmenen aus ihren Dörfern?
Welche Rolle wird der Türkei beigemessen?
Werden die Steine im Nahen Osten neu gelegt?

In Syrien führen die YPG und der IS einen erbitterten Kampf um den Ort Tall Abyad, während US-Kampfflugzeuge die von der IS kontrollierten Gebiete bombardieren. Doch ist es nicht offensichtlich, dass diese Bombardements einer der Beweggründe für die einheimische Bevölkerung ist, ihre Heimat zu verlassen und in die Türkei zu flüchten?
Amerika bekämpft also eine Horde von Barbaren, die sie selbst erschaffen hat, nur um die Zivilisten zu beschützen? Sie würden nicht mal ihren Finger krümmen, wenn sie kein Profit im Nahen Osten schlagen könnten.

Der turkmenische General Doktor Ömer Dede erzählt:
„Die turkmenischen Dörfer lebten anderthalb Jahre unter der Tyrannei der IS. Nun werden wir von der YPG, die von der westlichen Allianz Rückendeckung erhält, gezwungen, unsere Dörfer zu evakuieren. Was werden wir nach unserer Rückkehr von unserem Hab und Gut wiederfinden? Keiner von uns möchte sein Haus verlassen.“

Zudem betonte er, dass die Gebiete unter den Turkmenen vor dem Einmarsch der IS-Terroristen in Sicherheit waren und er daran glaube, dass der IS eine Marionette in diesem „Projekt“ sei.
An dieser Stelle muss man sich folgende Fragen stellen:
Möchte die YPG die Dörfer von Turkmenen und Arabern säubern, um ihre Macht auszudehnen?
Wird mit der Gründung eines West-Kurdistans im Norden Syriens die Kantone miteinander verbunden, um das vorhandene Erdöl in Richtung Mittelmeer öffnen zu können?

In wenigen Monaten wurden 28 turkmenische Dörfer zwangsevakuiert und gingen an die PYD über. Die Grenze von Kobani wurde übrigens um 10 km erweitert. Im SPIEGEL beruft man sich auf die Aussage des YPG-Sprechers Redur Khalil, der den Vorwurf einer ethnischen Säuberung zurückweist. Was haben sie erwartet? Dass er die Mission der YPG/PYD zugibt?
Wenn Tall Abyad „gesäubert“ ist, wird man 6000 Kurden aus Kobani und 2700 aus dem Nordirak dort ansiedeln lassen. Mit dieser Zwangsmigration wären die wichtigsten Kantone, die die PYD kontrolliert, miteinander verbunden und die Teilung Syriens besiegelt.

In den Sitzungen des türkischen Geheimdienstes (MIT) und des Militärs werden zwei Ziele der PYD bewertet:
Mit dem föderalen Zusammenschluss der Kantone möchte die PYD den Weg zum Mittelmeer erschließen und die Fundamente einer Pufferzone (eher Pufferstaat) legen.
Wie ihr euch erinnern könnt, hatte Barzani zum Ärger der Regierung in Bagdad mit der in Ankara ein Abkommen geschlossen, um das Erdöl direkt in die Türkei exportieren zu können.
Dazu möchte die PYD eine alternative Route „zeichnen“ – mit oder ohne Gewalt.

Leider wird Amerika die Kurden in Syrien ausnutzen und wenn irgendwann das Erdöl ausgeschöpft wurde, werden sie wieder im Stich gelassen.

Turgay Adalet

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