Neutralität der Oppositionsanhänger


Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan wird diesen Sonntag in Karlsruhe mit den in Deutschland lebenden Türken zusammenkommen.
Wir, seine Anhänger, werden als Schafe bezeichnet, nur weil wir uns über seinen Besuch immer wieder aufs Neue freuen.

Die ganze Menschheit weiß, dass wir Türken auch dann aufstehen, wenn wir fallen. Für eine Revolution ist jedes Volk auf einen starken politischen Führer angewiesen, der die nationalen den internationalen Interessen vorzieht.

Sie sagen, dass Erdogan als Präsident seine Neutralität verloren hätte. Aber vergessen dabei, dass der 10. Präsident Ahmet Necdet Sezer (Held der Kemalisten) Erdogans Ehefrau nicht in das Çankaya-Palast gelassen hatte, nur weil sie ein Kopftuch trägt! 
Er war vorher der Präsident des Verfassungsgerichts. Ein sehr neutraler Jurist, nicht wahr?!
Denkt ihr, dass wir diese Diskriminierung vergessen und einen Kemalisten zum Präsidenten wählen?

Sie nennen ihn Mörder wegen den 6 Toten beim Gezi-Aufstand, aber sehen Mustafa Kemal als Helden an, der für den Tod von mindestens 13.000 Menschen verantwortlich war!
Für sie ist Deniz Gezmiş der Che Guevara der Türkei, aber wählen die CHP, obwohl damals mehr als die Hälfte der CHP-Politiker für den Vollzug der Todesstrafe abgestimmt hatten. Heute vor 43 Jahren wurde er erhängt.
Necmettin Erbakan, den ihre ideologischen Väter beim postmodernen Putsch von 1997 gestürzt hatten, hatte seine Stimme gegen die Todesstrafe einesetzt.
Trotzdem wird das politische Milieu der Tradionalisten mit den IS-Henkern gleichgestellt - ihr Führer Mustafa Kemal ließ aber tausende Menschen erhängen! 
Bei den Ereignissen in Sivas im Hotel Madimak, wo alevitische "Denker" ums Leben kamen, war die CHP an der Macht, die bewusst nicht für die Sicherheit gesorgt hatten.
Wie war das nochmal?
"AKP-Wähler können nicht hinterfragen", dass ich nicht lache!

Sie nennen ihn Diktator, aber sehen in Atat*rk einen Menschenrechtler, obwohl er die Kurden ausgenutzt, unterdrückt und ermordet hatte.
Auch die anderen säkularen Politiker, die seine politische Linie verfolgt haben, unterdrückten jahrzehntelang die Kurden und versuchten sie zu assimilieren!

Sie nennen ihn Dieb, obwohl ihre ideologischen Vorfahren die armenische Minderheit konfisziert und über 80 Jahre den Staat in den Ruin getrieben hatten!

In letzter Zeit wird der HDP-Chef Selahattin Demirtaş in den Dogan- und Gülen-Medien wie ein neuer politischer Wind à la Tsipras dargestellt, der für die Demokratie und Gesellschaft einen großen Beitrag leisten könne, doch sein ideologischer Lehrer ist der Babymörder Abdullah Öcalan, der ohne jeden Zweifel das Wahlprogramm der HDP verfasst hat, auch wenn es manche nicht wahr haben möchten.
Hätte man ihre Gesinnung bei den Ausschreitungen im Oktober letzten Jahres wegen Kobane nicht gesehen, würde man denken, dass sie alle Kurden umarmen.
Der 16-jährige Yasin Börü und andere junge Menschen wurden von PKK-Anhängern ermordet. Die HDP-Anhänger haben sich darüber gefreut und die HDP-Politiker haben kein Beileid ausgesprochen. Demirtaş hat danach auf einer Pressekonferenz alle Vorwürfe abgestritten, wonach seine Partei die Menschen auf die Straßen getrieben hätte, aber seine Stirn hat nach Schweiß geregnet - Gewissensbisse? 

Es wird tatsächlich Türken geben, die die HDP wählen werden.
Nur mal zur Erinnerung:
Ihre Stimmen gehen damit auch an Öcalan!
Aber sie können ja im Gegensatz zu uns "hinterfragen" (!) 

Die Beleidigungen im Kommentarbereich unter dem Deutsch-Türkischen-Journal möchte ich erst nicht nennen.
Wie primitiv die überwiegende Mehrheit der Anhänger der Oppositionsparteien ist, kann man an ihrer Wortwahl erkennen.

Turgay Adalet

Beliebte Posts aus diesem Blog

Türkei: Abstimmung über Verfassungsreform

Gastbeitrag: Musul ve Kerkük'ü kim satti?

11.000 Folteropfer in Syrien!