Bombe gegen Wahlhürde


Mein Kommentar zu den heutigen Anschlägen in Adana und Mersin:

Die Wahlhürde muss man überwinden und nicht bombardieren! 

Für die HDP steht der Täter ohne Ermittlungen fest: AKP!
Warum sollte eine Regierungspartei
die Opposition in die Opferrolle stecken?
Davon profitiert doch nur die HDP.
Außerdem hat diese Partei genug Feinde. 

Nur weil der AKP-Politiker Süleyman Soylu vor zwei Wochen den HDP-Chef Selahattin Demirtaş mit folgenden Worten gewarnt hatte:
"Wenn ihr unsere politischen Verbände weiterhin verdeckt bedrohen solltet, werden wir diese über deinen Kopf niederreißen." 
Dabei wird die Bedrohung durch die HDP in den regierungskritischen Medien ausgelassen und nur der letzte Satz platziert.
Mit dieser Formulierung hat er zwar über das Ziel hinausgeschossen, aber damit meinte er ganz bestimmt nicht eine Bombardierung der HDP-Büros.
Gerade die Politiker und vor allem Journalisten, die tagtäglich gegen Erdogan und seine Anhänger hetzen, halten die Reden des Präsidenten Erdogan und des Ministerpräsidenten Davutoglu für die Bombenanschläge verantwortlich.
Es ist doch kein Geheimnis, dass die HDP mit der PKK Hand in Hand geht. 

Da klingt ja das hier noch glaubwürdiger:
Flaschengas hat im HDP-Büro rebelliert und den Faschisten in sich gesprengt(!)

Auch wenn wir die HDP aufgrund ihrer Nähe zur PKK kritisieren, befürworten wir in der Politik keine Gewalt, egal wen es trifft!
Bombenanschläge gegen Parteien dürfen nicht toleriert werden!
Sie sollten aber auch in der Lage sein, die PKK zu verfluchen, die letztes Jahr Schulen, Koranschulen und andere Gebäude in Brand gesteckt hat. Außerdem hat die PKK auch immer wieder Parteibüros attackiert. Sie und ihre Anhänger haben die PKK aber nicht kritisiert, weil sie ihre Anschläge nur als legalen Widerstand gegen die Obrigkeit ansehen. 

Sind "ihnen" die Taktiken ausgegangen, die schon öfter unter anderem in den 90er Jahren angewandt wurden?
- Die Attentate auf mehrere Cafés im Gazi-Viertel im Jahre 1995 mit zwei Toten und mehreren Verletzten.
- Der Bombenanschlag 1994 auf das Redaktionsgebäude Özgür Ülke (Vorgänger der kurdischen Tageszeitung Özgür Gündem), bei dem der Journalist Ersin Yıldız ums Leben kam.
- Und was ist mit dem Anschlag 2006 gegen die kemalistische Zeitung Cumhuriyet? Gläubige Muslime wurden verdächtigt, obwohl der Tatverdächtige Bedrettin Şinal vor vier Jahren aussagte, dass er die Waffe und Handgranaten von Polizisten erhalten hätte.
- Auch der Mord an den kemalistischen Wissenschaftler Necip Hablemitoglu wird bis heute so dargestellt, als ob Systemgegner seine Mörder wären. Doch er hatte den Prozess gegen den Einfluss deutscher Stiftungen (Konrad-Adenauer, Friedrich-Ebert, Heinrich-Böll- und Friedrich-Naumann-Stiftung sowie das deutsche Orient-Institut) um den Goldabbau und auf die PKK in der Türkei ausgelöst. 
Wer hatte denn in der Vergangenheit die Häuser der Aleviten markiert? Die DHKP-C.

Einige MHP-Politiker behaupten allen Ernstes, dass ihre Partei im Visier dieser Anschläge stehe.
"Sie möchten dem Ruf unserer Partei schaden, obwohl wir nichts damit zu tun haben", heißt es aus ihren Reihen. Entschuldigung, von welchem Ruf reden sie da?

Dann gibt es noch diejenigen, die dieser Ansicht sind:
"Die AKP bombardiert die HDP, um sie zu provozieren, damit sie auf die Straßen gehen. Mit dieser Taktik würden sie um Stimmen bei den Nationalisten werben."

Was für ein Schwachsinn!
Nach dieser Logik treibt also die PKK junge Menschen auf die Straßen, damit die AKP an Stimmen gewinnt?!
Dass PKK-Anhänger nicht provoziert werden müssen, um die Menschen zu terrorisieren und zu ermorden, haben sie schon im vergangenen Oktober unter Beweis gestellt. 

Turgay Adalet

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