Nur ein Kabataş-Skandal?


In den letzten Tagen ist wieder die Diskussion über das "Kabataş-Skandal" entfacht worden.
Einige Journalisten fordern die Verurteilung der Journalisten, die angeblich diese Tat erfunden hätten bzw. die Lügen des vermeintlichen Opfers der Öffentlichkeit als Wahrheit verkauft haben sollen. 

Worum ging es in dem Skandal?
In der Anfangszeit der Gezi-Proteste wurde in Kabataş eine junge Frau und ihr Kind Opfer eines Angriffs. Sie wurde aufgrund ihrer Kopfbedeckung zur Zielscheibe der Demonstranten. Krankenhaus-Befunde sollen die Aussagen der jungen Frau stützen. So die Behauptung.
Man unterstellt den Journalisten, dass sie über die religiösen Werte die Gesellschaft noch mehr polarisieren und die Gezi-Proteste als eine antireligiöse Bewegung darstellen wollten.
Jeder von uns war bestürzt und wütend zugleich, als wir von diesem Skandal erfuhren, aber:
Warum ging dann keiner der Konservativen auf die Straßen, um Gewalt gegen die Vandalen auszuüben? 
Jeder weiß doch, dass die Konservativen selbst während des postmodernen Putsches 1997 trotz der staatlich gelenkten Diskriminierung an Universitäten und Institutionen nie Gewalt angewendet hatten. 

Es besteht zudem die Annahme, dass mit den Aufnahmen, die erst 9 Monate später nach der vermeintlichen Tat den Medien serviert wurden, gespielt wurde und nicht den Tatzeitpunkt wiedergebe. Damit wollte man der Öffentlichkeit vermitteln, dass dieser Skandal frei erfunden sei. 

Tatsache ist, dass neben kopftuchtragenden Frauen auch Journalistinnen nicht vor Belästigungen und gewalttätigen Übergriffen der Demonstranten in Taksim verschont blieben.

Nehmen wir mal an, diese Tat habe nie stattgefunden:

Was ist dann überhaupt mit der kemalistischen Zeitung Sözcü, die im selben Jahr eine bedeckte Lehrerin als einen Schandfleck für die Republik darstellte und zur Zielscheibe antireligiöser Kemalisten erklärte.
Es war und ist nicht das letzte Mal, dass sie Frauen mit Kopftuch an Schulen nicht mit einem System vereinbaren können, das sie als ihr eigenes Erbe ansehen.
Genau diese Gesinnung legt doch die Grundsteine für mögliche "Kabataş-Skandale"! 

Machen wir uns nichts vor.
Selbst wenn dieser spezifische Fall eine Lüge sein sollte, wofür sich die verantwortlichen Journalisten entschuldigen sollten, kann keiner leugnen und widerlegen, dass es vor, während und nach den Gezi-Protesten mehrere "Kabataş-Skandale" gab, auch wenn sie sich in ihren Ausmaßen unterscheiden.
Es ist beschämend, dass die Frauenrechtler aus dem kemalistischen und linken Lager zwischen Frauen mit und ohne Kopftuch unterscheiden, wenn es um solche Fälle geht. Wir alle können uns vorstellen, wie ihre Reaktion ausgesehen hätte, wenn junge Menschen mit Bart eine "moderne" Frau belästigt hätten. Nur das Gerücht würde ausreichen.

Muss jetzt jede Frau, die belästigt wird, den Medien eine Aufnahme zuspielen, damit die Tat für alle glaubwürdig erscheint?
Was ist mit den Lügen der Gezi-Journalisten, die gegen die türkische Polizei hetzten? Werden diese nicht verurteilt? 

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

Turgay Adalet

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