Der Weg zum neuen Gezi-Aufstand



Mit Waffen und Molotowcocktails können Menschen verletzt und getötet werden!
Doch die Waffen der Journalisten, die die Gesellschaft mit ihren Schlagzeilen spalten und junge Menschen auf die Straßen treiben, sind weitaus gefährlicher! Sie sind zwar nicht die Drahtzieher, aber Marionetten, die die Aufmerksamkeit der Menschen auf einen Punkt lenken: "Die Polizei ist verantwortlich für den Tod der Menschen" reicht aus, um junge aufgebrachte Menschen, die sich mit der Regierung nicht identifizieren können, auf die Straßen zu treiben!

Vergangene Woche haben die Ausschreitungen in Okmeydani/Istanbul gezeigt, wie sie wie die Geier auf ein Chaos warten!
Es gab sogar Journalisten, die den Oberbürgermeister von Istanbul Hüseyin Avni Mutlu über Twitter aufgefordert haben, die Polizisten aus Okmeydani abzuziehen, weil sie für den Chaos verantwortlich seien!
Warum? Damit die maskierten Provokateure mit ihren Molotowcocktails in aller Ruhe für heiße Stimmung sorgen können?

Seit Jahrzehnten werden immer wieder zwei Gruppen ausgewählt und zwischen ihnen ein Konflikt herbeigeführt, damit sie sich bekriegen. Diese Konflikte in der Türkei haben meist einen ethnischen oder religiösen Hintergrund, auf das beide Seiten äußerst empfindlich reagieren.
Die Antwort auf die Beendigung des bewaffneten Konflikts mit der PKK war die Ermordung eines Aleviten, damit der alte sunnitisch-alevitische Konflikt wiederbelebt wird und die türkische Regierung beim laufenden Friedensprozess zwischen Kurden und Türken einen Rückschlag erleidet.
1995 wurde im Istanbuler Stadviertel Gazi, wo mehrheitlich Aleviten lebten, ein Cafe beschossen und mehrere Menschen getötet. Nur zwei Jahre nach dem Sivas-Massaker.

Am 31. Mai ist der Jahrestag des Gezi-Aufstandes mit Zentrum in Taksim/Istanbul. Diese Provokation in Okmeydani war der erste Schritt zum erneuten Aufbegehren gegen die Regierung!
Wieder haben sie einen Grund mehr, Benzin ins Feuer zu gießen, mit dem Vorwand, der Staat beginne eine Hexenjagd gegen die Aleviten. Warum wurde ein Unbeteiligter im Cem-Haus erschossen? Daraufhin begannen die Provokateure in Medien und sozialen Netzwerken mit folgenden Worten, die Aleviten gegen die Sunniten aufzuhetzen: "Wir sind mit Schuhen in die Moscheen gegangen, um unser Leben zu retten und ihr seid in das Cem-Haus mit Patronen eingedrungen, um unser Leben zu nehmen".
Gerade deshalb darf man diesen Konflikt nicht als eine periphere Auseinandersetzung zwischen Polizisten und Protestierenden bewerten. Nach türkischem Gesetz gelten die Cem-Häuser der Aleviten nicht als Gebetshäuser und nach dem Strafgesetzbuch erhalten Täter, die ihre Opfer in Moscheen ermorden, höhere Strafen.


Auf der einen Seite möchte man die Türkei wie einen Polizeistaat präsentieren, auf der anderen Seite auch die Cem-Häuser per Gesetz als Gebetshäuser anerkennen lassen.

Ich sehe es jetzt schon kommen:
Für die deutschen Leitmedien und die regierungskritischen Medien in der Türkei werden die Maskierten als friedliche Demonstranten dargestellt und jeder vermeintliche Todesfall in die Schuhe der Polizisten geschoben! Die Regierung wird natürlich wieder einmal die Rolle des Bösewichten übernehmen!

Darf ich euch die friedlichen Demonstranten in Okmeydani vorstellen?
Der mit der roten Maske und einer Schrotflinte in der Hand ist auf dem Weg in die Bäckerei und beschützt damit seine kleineren Brüder. Und der Junge da mit dem Molotowcocktail in der Hand möchte mit den bösen Polizisten Feuerball spielen!




Turgay Adalet

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