Die Täter im Schafspelz





Nach der Beerdigung des 15-jährigen Berkin Elvan begannen marginale Gruppen wieder mit Provokationen auf den Straßen, die mit dem Mord des 21-jährigen Burak Can Karamanoglu endeten.
Gleich nach dieser Tragödie wurden erste Vermutungen über die politische Identität des Opfers, aber weniger über die der Täter laut. Erst wurde behauptet, dass er zur Idealisten-Jugend (Ülkücü) der Jugendorganisation der „Grauen Wölfe“ angehöre. Doch anhand seiner Beiträge auf Facebook hat sich im Nachhinein herausgestellt, dass er ein Sympathisant der türkischen Regierungspartei AK Partei ist.
Viele Menschen auf Twitter und Facebook haben ihm deshalb weniger Wert beigemessen als ihren eigenen Sympathisanten. Ja es war sogar von einer geplanten Provokation seitens der Regierung die Rede, die vor den Wahlen in die Opferrolle schlüpfen wolle. Die Beleidigungen und Vorwürfe kann ich hier im Einzelnen nicht nennen, weil sie einfach unmenschlich sind. Musste er auch für sie auf die Barrikaden gehen, damit sie ihn als Helden feiern und die Medien ihm mehr Beachtung schenken?
In den Medien heißt es „Burak ist bei einer Straßenschlacht ums Leben gekommen“, aber Berkin
wird als „Märtyrer der Demokratie“ bezeichnet.

Doch welcher gesunde Menschenverstand kann so einer Verschwörung Glauben schenken und der Regierung solch einen schmutzigen Plan in die Schuhe schieben?
Genau die Provokateure, die an der Beerdigung Elvans teilgenommen haben und Flaggen der DHKP-C schwangen, aber keine einzige türkische Flagge. Bei Buraks Beerdigung konnte man das Gegenteil beobachten.
Und heute kam die Stellungnahme der linksextremistischen Gruppe DHKP-C, die nicht davor zurückschrecken, bei ihren Protesten Waffen jeglicher Art zu benutzen.
Heute hat die DHKP-C über ihre eigene Website halkinsesi.tv die Behauptungen, dass sie für den Mord des 21-Jährigen verantwortlich seien, mit folgenden Worten bestätigt:

„Drei der Überwachungskameras wurden zerstört. Sie haben in Örnektepe zwei Parteibüros und eins in Talatpasa in Brand gesteckt. Die „Revolutionäre Linke“ hat die Polizeiautos „Akrep“ beschossen. Die Banden der AKP haben mit Schlagstöcken und anderen Gegenständen die Bevölkerung und die Aufständischen terrorisiert. Dann haben ihre Gegner sie zurückgedrängt. Diese zivilen Faschisten der AKP haben sich hinter den Akreps versteckt und dann stürmten sie mit ihren Waffen auf uns zu. Daraufhin haben wir uns dann auch bewaffnet und die Antwort auf ihren Ansturm gegeben. Während des bewaffneten Konflikts starb einer von den zivilen Faschisten, zwei von ihnen wurden verletzt.“
Auf dem Twitter-Profil der DHKP-C sind unmoralische und erschreckende Tweets zu lesen:
„Hätten wir still sein sollen, während sie auf uns schossen?“
„Diejenigen, die sich nicht bewaffnen und gegen Waffen sind, beugen sich im Namen des Friedens dem Imperialismus“ (Dursun Karatas – der in Amsterdam verstorbene Gründer)
„Burak Can Karamanoglu war ein mit der AKP-Polizei agierender Faschist“

Und noch viele andere Tweets, in denen sie diesen abscheulichen Mord rechtfertigen!

DHKP-C-Militanten 2013


  
Aber nicht nur die Rolle und Aussagen der in der Öffentlichkeit bekannten Personen und Medienorganen sind verantwortlich für die momentane gesellschaftliche Situation.
Die Eltern der Opfer tragen auch eine große Verantwortung. Zwischen den Appellen der beiden Väter an die Gesellschaft liegen Welten.
Schauen wir uns diese nun genauer an.
Berkins Vater Sami Elvan in einer Live-Sendung:
„Hiermit appelliere ich an den Ministerpräsidenten. Wenn er wollte, könnte er mir den Mörder meines Sohnes in einer Stunde bringen. Er hat den Befehl erteilt. Die Polizisten müssen auf die Befehle hören. Er hat gesagt, dass seine Polizisten eine Saga geschrieben hätten.“

Buraks Vater nach der Beerdigung hingegen:
„Es gibt keinen Grund, die Verstorbenen dafür zu benutzen, um das Land ins Chaos zu stürzen. Hätte ein 15-jähriges Kind die Türkei retten können, wenn es nicht gestorben wäre? Sie benutzen seinen Tod als Vorwand für ihre Aktionen. In Okmeydani wurden viele Läden zerstört. Sie haben hier und da Feuer gelegt und für Sachschäden gesorgt. Und kein Polizist hat etwas unternommen. Jeder hat Kinder und mein Herz ist voller Feuer. Es ist schade um das Volk, um die jungen Menschen, um die Kinder. Alle müssen jetzt ihren gesunden Menschenverstand einsetzen. Wir werden eins sein und unser Land nicht spalten lassen. Keiner kann uns unser Land aus den Händen nehmen.“

Werden sich die Menschen jetzt schämen, die der Regierung Provokation vorgeworfen haben und trotz der Stellungnahme immer noch tun?
Werden sich diejenigen schämen, die einen Unterschied zwischen den Opfern machen?
Werden die Medien, die mit ihren Berichten die Grundlage für die Zersplitterung der Gesellschaft sorgen, weitere Lügen verbreiten und Diffamierungen gegen die Regierung und ihre Sympathisanten unternehmen?
Können einige Politiker in Ruhe schlafen, während sie für die einen Opfer weinen (eher Krokodilstränen) und für die anderen nicht mal ihr Beileid ausdrücken?

Solange bestimmte Kreise zwischen den Tätern und zwischen den Opfern unterscheiden,
solange der Tod von Menschen für gewalttätige Proteste benutzt wird,
solange die Tränen nicht die Herzen berühren und nicht den gesunden Menschenverstand reaktivieren, solange kann keiner für den gesellschaftliche Frieden in naher Zukunft beitragen.

Die Spaltung der Gesellschaft bedeutet den Zusammenbruch des Landes!
Wir befreien uns aus den Ketten der Separatisten, aber die Kette des Friedens bildet jeder von uns!




Turgay Adalet

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