Déjà-vu nach 17 Jahren



17 Jahre sind vergangen.
17 Jahre nach dem postmodernen Putsch am 28. Februar 1997 gegen
die demokratisch gewählte konservativ geprägte Regierung unter Necmettin Erbakan.
Doch nicht nur gegen ihn, sondern auch gegen Individuen in der Gesellschaft, in Wirtschaft, Politik,
in der Armee. In nahezu allen Bereichen in einem Staat wurde der konservative der Teil der Bevölkerung verdrängt, gemobbt, ausgestoßen, verhaftet, erniedrigt. Und noch heute sitzen die Opfer von damals im Gefängnis oder können heute immer noch nicht ihren Berufen nachgehen. Grund? Sie wurden als eine Gefahr für die laizistische Ordnung in der Türkei angesehen und behandelt. Ohne jegliche Beweise! Ohne jegliche handfeste Begründung!
Der postmoderne Putsch wurde in Gang gesetzt, um die Gesellschaft, die Politik und die Beziehung zwischen Staat und Gesellschaft neu zu formen.
Einige der damaligen Täter sitzen heute im Gefängnis, aber nicht alle Akteure. Besonders nicht die Akteure in den Medien, die auch die Rahmenbedingungen für diesen Putsch vorbereitet haben.
Die Hoffnung der Menschen, die nach Gerechtigkeit streben, schwindet von Tag zu Tag. Denn die Gülen-Gemeinde hat sich schon damals offen zu den Putschisten bekannt und seit Jahren ist bekannt, dass sie ihre Männer in allen Staatsorganen eingeschleust haben, auch durch die Verteilung von Testfragen, womit ihre Lehrlinge sich in höheren Ämtern leichter positionieren konnten.

Nach dem Susurluk-Skandal, wo die Kooperation zwischen Militär, Geheimdiensten, Politik, Justiz, Verwaltung, Rechtsextremismus und organisiertem Verbrechen ans Tageslicht kam, hat sich Amerika anderweitig nach Kollaborateuren orientiert. Vorher waren es die Armee und laizistisch-nationalistische Kreise, danach Fethullah Gülen. Über dieses Thema kann man sich das Internet-Interview von Sibel Edmonds anschauen.

Fast 17 Jahre später wird wieder das Szenario abgespielt. Am 17. Dezember 2013 mit den Korruptionsvorwürfen. Danach entwickelte sich eine Koalition zwischen den Laizisten und den Gülenisten, die sich vorher niemals die Hand gegeben hätten. (28. Februar ausgenommen)

Hier muss ich die Menschen, die die 90er Jahre der Türkei nicht erlebt oder darüber gelesen haben, daran erinnern, dass sich damals wegen des aufgemischten politischen Klimas viele Koalitionsregierungen gebildet haben. In dem politischen Chaos gemischt mit der miserablen Wirtschaftsführung, musste die Ökonomie im Jahre 1994 viele Niederschläge hinnehmen.
Danach wurde der Versuch unternommen, mit einem Stabilisierungsprogramm der IWF (IMF) die Wirtschaft anzukurbeln. Doch dieser scheiterte.
Im Juni 1996 begann eine neue Ära. Die Refah-Yol Regierung unter Necmettin Erbakan.
Mit der richtigen Wirtschaftspolitik konnten Erbakan und seine Regierung die ständig „blutende“ Staatsverschuldung „stillen“ und für einen erheblichen Rückgang sorgen. Mit der neuen politischen Ordnung verloren die Akteure, die jahrelang über den Staat durch Zinsen ihren größten Gewinn erzielten, an finanzieller Macht. Dieser Umstand versetzte bestimmte Kreise in Panik, weshalb sie misstrauisch gegenüber der Regierung wurden und die alte Ordnung vermissten. Anfangs versuchte man die Regierung davon zu überreden, doch als Erbakan keine Kompromisse eingehen wollte, war der einzige Weg in das alte System, die Regierung loszuwerden.


Postmoderner finanzieller Putsch

Der damalige Putsch war nicht nur ein militärischer Putsch, sondern vor allem ein postmoderner finanzieller Putsch. Der Putsch erfolgte zwar über den militärischen Arm, aber die eigentlichen Akteure waren die Finanzbarone. Am 28. Februar und danach hat die türkische Wirtschaft sehr gelitten und damit auch die Bevölkerung, denn das Nationaleinkommen sank rapide.
In nur 6 Monaten der Regierungszeit sank der Zinssatz von 7 auf 5 Prozent, nach dem Putsch lag er bei 17,1%. Bis 2001 musste die damalige Regierung mit den Steuereinnahmen die Zinsen abbezahlen, aber nicht mal das konnten sie schaffen. Der Staatsverschuldung lag bei mehr als 380 Mrd. Türkischer Lira.

Was verbindet den 17. Dezember mit dem 28. Februar?

Um gegen die islamische Reaktion in der Türkei (türk.: Irtica), die als Gefahr für den Laizismus eingestuft wurde, eine gesellschaftliche Reaktion hervorzurufen und mit dem politischen Mechanismus zu bekämpfen, wurde der Putsch organisiert.
Auch schon vor dem 17. Dezember wurde jahrelang versucht, die Wahrnehmung in der Gesellschaft zu schaffen, dass die Türkei unter der Regierung Erdogans einen islamistischen Staat nach iranischem Modell schaffen möchte. Wäre eine laizistisch geprägte Regierung an der Macht, würden die Kemalisten jeden positiven und negativen Schritt befürworten. Die Reaktion des damaligen Präsidenten Ahmet Necdet Sezer war mitverantwortlich für die Wirtschaftskrise 2001, aber er wird von den Kemalisten immer noch als Held gefeiert, obwohl er nichts für den Fortschritt der Türkei beigetragen hat und sich immer für das Kopftuchverbot ausgesprochen hat.

Mit dem Gezi-Aufstand sollte im Ausland der Eindruck vermittelt werden, dass ein Diktator in der Türkei herrsche. Gegen Adnan Menderes und Turgut Özal wurde dasselbe Spiel gespielt.
In der erst Hälfte des Jahres 2013 hatte die Wirtschaft nur positive Zahlen vorzuweisen, die Zinsen waren im Tiefstand, der Fortschritt angefangener Projekte und die hohe wirtschaftliche Aktivität.
Doch gerade in diesen Tagen als die FED ihre Entscheidungen bekanntgab und der Gezi-Aufstand ins Leben erweckt wurde, musste die wirtschaftliche Stabilität der Türkei leiden, aber erholte sich dann wieder von diesem Schock, weil die Staatsfinanzen und die grünen Zahlen in der Wirtschaft stabil genug waren.

Als der Aufstieg der türkischen Wirtschaft wieder all seine Feinde zum Zittern brachte, kam am 17. Dezember wieder ein Schlag gegen die Wirtschaft. Wie oben schon erwähnt wurde, hatte auch Erbakan für die Ökonomie seines Landes erfolgreich gearbeitet.

Während dieser Entwicklungen fingen externe und interne Feinde der Regierung mit einer Kampagne an und betonten immer wieder: „Falls die Zinssätze (Leitzinsen) nicht steigen sollten, werden negative Entwicklungen im Devisenhandel entstehen und ihre Auswirkungen die Wirtschaft zerschmettern.“

Auch wenn Erdogan gegen die Erhöhung war, wurde der Leitzins am 28. Januar von der türkischen Zentralbank angehoben. Das zeigt uns wiederum, dass das eigentliche Ziel der Finanzbarone die Zinsen sind. Sie leben davon wie Vampire von Blut. So wie zu Erbakans Zeiten, auch heute.

Die Vampire sitzen immer noch und kommen mit denselben Plänen an den Tisch.
Die Politik muss in ein Chaos gestürzt werden, damit sie die Wirtschaft eines Landes für ihren Profit manipulieren können.


Deshalb kann man den 17. Dezember 2013 auf finanzieller Ebene als ein Déjà-vu nach 17 Jahren bezeichnen.


Turgay Adalet

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