Das Korruptionsspiel - Woher kommen die Millionen?




Bevor wir zum eigentlichen Thema kommen, sollte eine Erinnerung an die Vergangenheit als Einführung dienen.
Ein Tag, ja sogar Stunden vor der Operation am 17. Dezember 2013 wurde ein Kurierpaket von dem Unternehmen eines AKP-Abgeordneten an den Bankdirektor der Halkbank Süleyman Aslan geschickt.
Doch das Merkwürdige daran war noch, dass der Kurier seine Privatadresse bekam und Aslan vor der Lieferung des Pakets über dessen Inhalt informiert wurde, wobei er sich nichts dabei gedacht hat.
Was dann geschah?
Stunden später, am frühen Morgen wurde die Operation durchgeführt. Die Schuhkartons mit den Millionen von US-Dollar wurden wochenlang in den Medien ausgestrahlt.

Süleyman Aslan genießt wieder seine Freiheit. Seine Aussage, dass die Millionen Spenden für die Balkan-Universität in Mazedonien und für den Bau einer Koranschule in Osmancik benutzt werden sollte, hat sich bewahrheitet. Dabei wurden alle, die diese Tatsache mit der Öffentlichkeit geteilt hatten, als Verschwörungstheoretiker abgestempelt.

Wer sind diese großzügigen Spender?

Süleyman Aslan hat die Namen dieser Spender in seinen Aussagen genannt.
Der Großzügigste unter ihnen war Gökhan Sükür, der Bruder des zurückgetretenen AKP-Abgeordneten und ehemaligen Nationalspieler Hakan Sükür, der der Gülen-Gemeinde sehr eng verbunden ist. Die Polizei untersucht diesen Fall nun im Detail.

Kommen wir nun zu einem anderen Ereignis, das sich Wochen vor der Operation ereignet hat.
Ein Journalist, der die Gülen-Gemeinde bis zum Ende verteidigt, hat am Flughafen Esenboga in Ankara den VIP-Eingang benutzt und seinen Platz im Flugzeug eingenommen.
Doch nur der Präsident, Premierminister, Minister und wichtige Bürokraten dürfen diesen Eingang benutzen. Es verwundert jeden, dass vor allem ein regierungskritischer Journalist auch zur VIP zählte.

Nach einigen Recherchen hat sich herausgestellt, dass diese Person in einem wichtigen Ministerium als Staatssekretär arbeitet. Wer ist dieser Journalist?
Vor anderthalb Jahren hatte er Erdogan über das soziale Netzwerk Twitter beleidigt, woraufhin seine Stelle an einer Polizeischule gekündigt wurde: Önder Aytac! Jedem aufmerksamen Leser ein bekannter Name. Vor ein paar Jahren hat er im Kultur- und Tourismusministerium als Assistent des Staatssekretärs und die Jahre davor als Ministerberater im selben Ministerium gedient.

Was ist daran merkwürdig?
Seine Registrierung zum Staatssekretär wurde vor kurzem erneuert. Merkwürdig ist, dass nicht das zuständige Ministerium dafür gesorgt hat, sondern Unbekannte ihre Hände im Spiel haben.

Bis jetzt alles inhaliert? Dann weiter…

Wer war der Abgeordnete, der auch Süleyman Aslan einen bestimmten Betrag zusendete?
Der AKP-Abgeordnete Hüseyin Bürge. Er ist unter anderem der Vorstandsvorsitzende der Bildungs- und Kulturstiftung in Skopje, der die Spenden für die Balkan-Universität sammelt. Außerdem wird behauptet, dass er der Geschäftspartner von Gökhan Sükür sei. Im weiteren Textverlauf werdet ihr die Wahrheit lesen.

Gökhan Sükür darf man nicht einfach unbeachtet lassen. 2007 wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt, weil er an der Börse Manipulationen vorgenommen hat. Zudem tauchen auch die Bankdaten seines Bruders Hakan Sükür auf. Damals hatten die Zeitungen Zaman und Hürriyet tagtäglich davon berichtet. Heute würden sie es wohl nicht wagen. Angst vor der Gülen-Gemeinde?!

Der Kurier war der Sohn Bürges. Das Geld kam vom gemeinsamen Unternehmen von Bürge und Gökhan Sükür. Am Tag der Operation hat Hüseyin Bürge mitgeteilt, dass die Spenden bis jetzt immer auf diesem Wege an Süleyman Aslan weitergeleitet wurden, aber die Medien beachteten diese Mitteilung nicht.
Hüseyin Bürge: „Unsere Stiftung und Universität kooperieren mit der Halkbank. In diesem Rahmen haben wir 1,95 Mio. Euro an Herrn Aslan geschickt, von denen 450.000 am 14. November 2013 von der Halkbank an die Konten unserer Universität überwiesen wurden. Doch da der Bankdirektor diesen Weg als umständlich erachtete, eröffneten wir am 10. Dezember 2013 ein Büro in Istanbul. Danach wurden 500.000 Euro an unsere Konten überwiesen. Der von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmte Betrag ist für unsere internationale Balkan-Universität gedacht und sollte an unsere Stiftung ausgehändigt werden. Wir werden alles dafür unternehmen und haben schon am 26. Dezember den rechtlichen Weg eingeschlagen.“

Was hatte der Richter beim Freispruch Süleyman Aslans gesagt?
„Die wichtigsten Beweise in der Akte wurden nicht auf illegalen Wegen beschaffen. Beweise, die nicht auf legalem Wege beschafft wurden, können nicht als Beweise behandelt werden…“

Wie kann man das interpretieren?
Das bedeutet also, dass gewisse Personen ganz genau wissen, wie diese Gelder Süleyman Aslan erreicht haben und haben dies den zuständigen Staatsanwälten ins Ohr geflüstert. Und diese Staatsanwälte haben auf illegalen Wegen Telefongespräche abhören lassen und diesen Fall als Korruption bezeichnet und behandelt.

Jetzt muss man die Gülen-Gemeinde fragen:
Passen eure Berichte von den Korruptionsgeldern in Schuhkartons in euer Moralverständnis, obwohl ihr von der Wahrheit wusstet? Wenn wir eure politischen Attentate gegen die Zukunft des Landes und gegen das Leben wichtiger Personen angeprangert haben, wurden wir als Schleimer der Regierung bezeichnet. Aber eure Lügen und Diffamierungen sind in Ordnung?

Ist Hüseyin Bürge nun der Geschäftspartner von Gökhan Sükür?
Dazu nimmt Bürge Stellung: „Ich habe weder einen geschäftlichen noch einen persönlichen Kontakt zu Gökhan Sükür“.

Die Aussage stellt vieles wieder auf den Kopf.
Die oben genannten Informationen müssen hinterfragt werden:

Hat Hüseyin Bürges Sohn das Geld persönlich an Süleyman Aslan übergeben?
Hat sein Sohn dieses Geld an die Privatadresse oder zur Halkbank gebracht?
Hat Hüseyi Bürge den Bankdirektor Aslan am Telefon mitgeteilt, dass das Geld an sein Haus geschickt wurde(wenn überhaupt)?
Wurde das Geld in Schuhkartons geschickt? Und wenn ja, warum gerade in Schuhkartons?
Bürge behauptet, dass er keinen geschäftlichen Kontakt zu Gökhan Sükür habe.
Arbeiten Herr Bürge und Herr Sükür im selben Büro, selbst wenn sie keinen geschäftlichen Kontakt zueinander haben?

Was Önder Aytac betrifft. Erst hat er den Vorwurf mit dem VIP-Eingang am Flughafen angenommen und gesagt, dass jeder Staatssekretär davon Gebrauch machen kann und dass die „AKP-Henker“ ihm dieses Recht aus der Hand genommen hätten. Als er daran erinnert wurde, dass nur die in Rente gegangen Personen dieses Recht in der Hand hätten, wies er auf einmal alles von sich. Das, was er bestätigte, bestritt er letzten Endes.
Ach und noch eine Info. Önder Aytac macht immer noch an der Polizeischule weiter, trotz der von ihm als „AKP-Henker“ bezeichneten Menschen.



Turgay Adalet

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